Archive for the ‘Reisen’ Category


Kachetischer Wein in Signaghi

Süsser Wein aus der Region

Unser erster Ausflug aus der Hauptstadt hinaus führt uns nach Kachetien, die wichtigste georgische Weinregion. Eingezwängt in eine “Marshrutka” (Minibus-Sammeltaxi) fahren wir ca. drei Stunden lang in den Osten Georgiens, nach Signagi. Der Ort liegt auf einem Berg und besteht grösstenteils aus Häusern aus dem 17. bis 19. Jahrhundert mit geschnitzten Holzbalkonen – und das ganze wurde erst vor kurzem mit ordentlich Staatshilfe renoviert und sieht deshalb wunderbar, fast schon ein bisschen kitschig aus.

Gasse in Signaghi

Gasse in Signaghi, mit den typischen Holzbalkonen

Unsere Unterkunft finden wir bei der Zimmervermieterin Nana, welche wir beim Kaffee mit der Dorfpolizistin in ihrem Souvenirladen finden. Beim Nachtessen in der benachbarten Gartenbeiz lernen wir, dass auf eine gorgische Pizza Funghi unbedingt Mayonnaise und richtig viel Wurst (!) gehört – davon profitieren dann vorallem die streunenden Hunde, natürlich zum Missfallen der Kellner, welche sich nicht erklären können, weshalb die Flohsäcke plötzlich nicht mehr wegzuscheuchen sind… Nach kurzer Beratung vor dem Weingestell im Dorfladen (“This wine good, this wine good… all good!”) machen wir uns mit einer Flasche auf den Heimweg und geniessen den warmen Sommerabend auf unserem Balkon mit zuckersüssem Kindzmarauli und einem Panorama, dass stark an Italien erinnert.

Am Frühstückstisch bei Nana

Yvonne an Nanas Zmorge-Tisch

Am anderen Morgen sitzen wir am Frühstückstisch von Nana, sie hat allerlei Selbstgemachtes für uns parat und unsere Mägen sind somit ziemlich voll, als wir uns zu Fuss auf die Suche nach dem Kloster Bodbe machen, welches seit dem 9. Jahrhundert irgendwo in der Nähe im Wald steht. Natürlich verpassen wir die entscheidende Abzweigung und treffen schliesslich ganz oben auf dem Berg einen Bauern, der uns erklärt, dass es hier im Wald nur ein Restaurant gäbe – seine Fahne und sein Gleichgewicht lassen uns keinen Moment an der Wahrheit seiner Aussage zweifeln. Er legt sich dann zum Mittagsschlaf auf eine Bank am Strassenrand und wir wandern wieder zurück, entdecken endlich den Kirchturm zwischen den Bäumen und damit das gesuchte Kloster. Für den Weg zurück nach Signagi gönnen wir uns dann ein Lada-Taxi für ein paar Lari.

Wegweiser in der Umgebung von Signaghi

Mit solchen Wegweisern fällt die Orientierung nicht immer nur leicht…

Kloster Bodbe

Kloster Bodbe

Wir kommen gerade rechtzeitig bei Nana an, um noch eine Volkstanz-Vorführung mitzuerleben, eine Gruppe von Kindern und eine Sängerin unterhalten die Dorfbevölkerung und wir erfahren, dass die Leute Assyrer sind, eine der in Georgien lebenden Minderheiten. Mit dieser exotischen, in unseren Ohren etwas orientalisch klingenden Musik in den Ohren gehts dann am Abend zurück nach Tiflis, wo wir erfahren, dass unser Hotelzimmer unterdessen vermietet wurde und deshalb in ein anderes Quartier zügeln müssen – diesmal ein winziges, vollgestopftes Zimmer nahe der Metechi-Kirche.

Assyrischer Volkstanz

Junge Assyrer/-innen führen traditionelle Volkstänze auf

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Genau richtig im Gelände: Lada Niva 4×4

Um der unerträglichen Hitze und dem penetranten Abgasgestank (mit der typischen ex-Sowjet-Note von unzähligen alten Lada- und Wolga-Motoren) der Grossstadt Tbilisi zu entfliehen, machen wir uns am Montag auf den Weg in den grossen Kaukasus. Diese Gebirgskette trennt Russland von Georgien/Aserbaidschan und wird von der georgischen Heerstrasse durchquert; ein über tausend Jahre alter Karawanen-Weg, der im 19. Jahrhundert von den Russen zur Strasse ausgebaut wurde. Mit dem klapprigen Einer-Golf unseres Fahrers Tengis rollen wir in Richtung der mächtigen Berge – allerdings mussten wir zuerst in der Stadt etwas Gas tanken, um bis zu einer günstigen Tankstelle zu gelangen und dann dort vollzutanken …

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Ungewohnt überpünktlich starten wir unsere Reise am Entlebucher Bahnhof. In Zürich stellt sich heraus, warum AirBaltic das günstigste Angebot gewesen ist: Pro Person müssen wir 25 Fr. fürs Gepäck draufzahlen… Im Flugzeug angekommen, sind unsere Plätze zuhinterst besetzt von einer Familie und die Flight Attendant ist mit der Organisation überfordert. So kämpfen wir uns gegen den Strom der eintretenden Gäste zurück nach vorne und warten. Immerhin können wir nachher ganz vorne sitzen. Nach drei Stunden Zwischenlandung in Riga geht’s endlich weiter nach Tbilisi (Tiflis). Wir haben vorgängig ein Hotel zuerst per Email, danach (da wir keine Antwort erhalten haben) per Telefon kontaktiert und ein Zimmer und einen Flughafentransfer reserviert. Allerdings machen wir uns nicht allzu grosse Hoffnungen, dass dies klappen würde und stellen uns eher darauf ein, Nachts um 1 Uhr ein Taxi zu nehmen und ein Hotel suchen zu müssen.

Dann am Flughafen die grosse Überraschung: Nicht ein, nein zwei Schilder mit meinem Namen entdecken wir in der Menge: Yvonne Vogel (Reservation per Mail) und Ewon Vukal (Reservation per Telefon) – was für ein toller Empfang! Wir probieren das Missverständnis so gut es geht aufzuklären, die beiden scheinen aber glücklicherweise überhaupt nicht verärgert zu sein und chauffieren uns zum Hotel Charm. Dort werden wir sehr freundlich empfangen und in ein Riesenzimmer gebracht, wo wir müde in das extrabreite Bett sinken.

Morgenessen im Hotel Charm

Frühstück im Hotel Charm

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Seit vorgestern Nacht (14. Juli) sind Yvonne und ich in der georgischen Hauptstadt Tiflis alias Tbilisi. Hier schon mal ein erstes Foto, weitere Eindrücke in Wort und Bild werden wir in den kommenden Tagen hier deponieren…

Tbilisi Old Town

Am Freitag Abend um 22:00 Uhr steigen wir in Sarajevo in den Nachtbus nach Pristina, in die Hauptstadt der noch jungen Republik Kosovo. Die Fahrt soll rund zwölf Stunden dauern und wir freuen uns gar nicht darauf; Erinnerungen an den letzten Sommer in den Anden werden wach – und wir einfach nicht müde… Nach etwa zwei Stunden erreichen wir die bosnisch-serbische Grenze, und an beiden Grenzposten steht der Bus etwa eine halbe Stunde: der Chauffeur muss die Pässe aller Fahrgäste einem Polizisten aushändigen, der damit im Wachhäuschen verschwindet und dann im fünf-Minuten-Takt irgendwelche Leute zu sich rufen lässt. Wir sind unsicher, bis uns ein anderer Fahrgast aufklärt: es geht ziemlich sicher um Schmiergelder, die von Bürgern der jeweils gerade unbeliebten Nationen einkassiert werden – wir seien mit den Schweizer Pässen nicht gefährdet.

Ein Hochzeits-Konvoi kommt uns entgegen!

Wir freuen uns, dass es nach den langen Wartezeiten endlich weitergeht, doch schon nach wenigen Kilometern ein neuer Stop: Pauza! Yvonne wird von einer jungen blonden Mitpassagierin in Züri-Dütsch angesprochen – sie war mit der Familie in die Schweiz geflüchtet, hatte in Winterthur die Schule besucht und lebt jetzt wieder in Sarajevo und fährt zur Tante in den Kosovo und erzählt, dass sie keine Ausbildung hat und nun einen Mann sucht.
Phil versucht unterdessen zwei Albanern zu erklären, wieso wir denn in dieser Region unterwegs sind und als der Bus wieder weiterfährt, erklärt uns ein serbischer Kampfsportler mit Zwiebel-Fahne die Psyche seines Volkes, bis er irgendwann schlagartig einschläft.
Wir finden beide im stickigen, heissen, lauten und engen Bus keinen festen Schlaf, erwachen andauernd wieder. Gegen sechs Uhr morgens sind wir dann in Novi Pazar, nahe der serbisch-kosovarischen Grenze. Da Serbien die Autonomie Kosovos nicht akzeptiert, ist diese Grenze nicht offiziell und deshalb ist hier auch die Buslinie eigentlich zu Ende. Während wir mit einem französischen Päärchen, welches ebenfalls auf “Tour de Balkan” ist, am Kiosk einen Kaffee trinken, wird der Bus jedoch bis zum letzten Platz mit neuen und zusätzlichen Fahrgästen gefüllt, welche in den Kosovo wollen – vorzugsweise schrullige alte Frauen mit Kopftüchern und ledriger Haut. Mit diesem völlig überfüllten Gefährt kommen wir dann problemlos und schnell über die Grenze, welche auf serbischer Seite nur ein Militär-Checkpoint ist, auf kosovarischer Seite aber von UN-Soldaten (KFOR) und Kosovo-Police überwacht wird.

Eigenwerbung der KFOR

In den ersten Stunden in Pristina scheinen sich sämtliche Klischees, die wir von zu Hause mitgebracht haben, zu bestätigen: die Männer am heruntergekommenen Busbahnhof sehen genau so aus wie Mike Müller als “Mergim Muzzafer”, der Taxifahrer knöpft uns das doppelte vom üblichen Preis ab, in der Stadt vor allem deutsche Wagen (Mercedes, BMW, Audi, Opel, Golf…), darunter etliche mit deutschen und schweizer Kennzeichen: man ist auf Heimaturlaub. Wir hatten gelesen, Pristina sehe aus wie “auseinandergerissen und unter Meinungsverschiedenheiten wieder zusammengesetzt”. Tatsächlich scheint ein grosses Durcheinander zu herrschen, gleichzeitig aber auch Aufbruchstimmung: überall wird gebaut, viele Häuser sind neu oder renoviert.

Boxkampf!

Wir finden die grosse Fussgänger-Promenade, welche am Nachmittag noch ruhig und unscheinbar wirkt, am Abend aber aufblüht und voller fröhlicher, flanierender Menschen ist. Überhaupt machen die Leute auf uns einen sehr ruhigen und friedlichen Eindruck.

Teenager in Pristina

In den Restaurants werden wir sehr freundlich empfangen, der Kellner beantwortet z.B. geduldig unsere Frage nach dem Kosovarischen Pass und bestätigt unsere Vermutung, dass er nur in die Staaten reisen kann, welche den Kosovo anerkannt haben. Die Taxifahrer in der City sind ehrlich (!) und eigentlich jeder spricht mindestens eine Fremdsprache.

Gebäude der OSZE in Pristina

Einen grossen Teil des Sonntags verbringen wir in einer Pizzeria, schreiben am Blog und planen unsere Weiterreise. Dabei fahren andauernd hupende Autokolonnen vorbei, aus den dekorierten Autos werden Albanien- und Kosovo-Fahnen geschwenkt. Offenbar ist Heirats-Hochsaison; vielleicht hat dies eben auch mit der Heimkehr-Saison der Auswanderer zu tun? Nebst Hochzeits-Konvois sieht man im Kosovo vorallem EU- und UN- sowie viele Militär- und Polizei-Fahrzeuge aus aller Welt – innert wenigen Minuten sehen wir Carabinieri, Gendarmerie sowie schwedisches und finnisches Militär. Und a propos Fahrzeuge: dass an vielen Last- und Lieferwagen noch deutschsprachige Werbeaufschriften zu sehen sind, überrascht wohl niemanden, aber an etlichen Bussen guckt vorne oder an der Seite die vertraute gelbe Lackierung mit dem roten Streifen hervor: ausrangierte Postautos!

Unser Zimmer in Pristina - zum Glück richen Fotos nicht...

Carabinieri

Mostar und Medjugorje

Vom Hafen in Split fahren wir mit dem Bus zuerst noch einige Kilometer entlang der Dalmatinischen Küste Richtung Süden, vorbei an Badestränden, Hotels, Campingplätzen und unzähligen “Zimmer”-Schildern. Kurz vor Makarska führt die Route dann ins Landesinnere und damit in die kargen Berge der “Dalmatinischen Alpen”. Nach einigen hundert Kurven passieren wir problemlos die Bosnische Grenzkontrolle und schon bald darauf wird die Gegend immer fruchtbarer – wir sind in der Herzegowina. Links und rechts der Strasse folgt ein Bauernhof auf den anderen – sehr häufig neben einem ziemlich neuen Wohnhaus eine zerstörte und überwucherte Ruine – und die Felder dazwischen sind bepflanzt mit Kürbissen, Weinreben und Tabak. Auch in Mostar, wo wir gegen Abend eintreffen, sind Ruinen allgegenwärtig. An vielen Gebäuden wird noch gebaut, repariert und renoviert; andere, besonders entlang der ehemaligen Frontlinie, stehen wie Skelette in der Stadt und aus den Fensterlöchern wächst Gebüsch.

Ruine an der ehemaligen Frontlinie in Mostar

Die Stadt ist bekannt für die über 20 Meter hohe Brücke über die Neretva, welche 1566 von den Ottomanen (Türken) gebaut wurde. Sie überlebte etliche Konflikte und zwei Weltkriege, wurde dann aber (nach 427 Jahren) 1993 von der Kroatischen Artillerie zerstört. Heute ist sie aber – mit Unterstützung der UNESCO und der Weltbank und so weit möglich aus den Original-Steinen – wieder restauriert und ein wahres Juwel! Als zusätzliche Attraktion springen täglich mutige Burschen die zwanzig Meter in die Tiefe – aber nicht ohne vorher beim Publikum genügend Münzen eingesammelt zu haben. Noch reisen nur wenige und vorallem regionale Touristen nach Mostar, doch schon in wenigen Jahren wird dieses Monument sicherlich ganze Bus-Ladungen von Touris aus aller Welt anziehen…

Die alte Brücke in Mostar

Nahe von Mostar liegt der Wallfahrtsort Medjugorje, welcher auch im Entlebuch bekannt ist. Da wir den Namen schon einige Male gehört haben und nun so nahe sind, entscheiden wir uns am Donnerstag, dort hin zu fahren. Dieser Ausflug erweist sich dann allerdings als Enttäuschung – das winzige Dorf besteht eigentlich nur aus Souvenirläden, die Hitze ist unerträglich und schliesslich taucht auch der angekündigte Bus zurück in die Stadt nicht auf…

Marien-Statuen in Medjugorje

Nach einer rasanten Taxifahrt kühlen wir uns dann im Schatten der (neuen) alten Brücke mit Bier und Salat ab und freuen uns dabei auf die bevorstehende Zugfahrt durchs Neretva-Tal – leider vergebens, denn wir erfahren von unserer Zimmer-Vermieterin, dass der Morgenzug nicht aus Sarajevo zurück gekehrt sei; es wird gestreikt und somit steht für uns wieder eine Reise im Car auf dem Programm.

Sarajevo – Stadt der Gegensaetze

Haben wir uns verspekuliert? Auf jeden Fall will uns entgegen unserer Erwartung kein einziger Zimmervermieter bei sich unterbringen, als wir spaet abends im Busbahnhof eintreffen.
Wir halten bereits nach einem Taxi Ausschau und stellen uns auf Hotelsuche ein, da werden wir doch von einem Maedchen angesprochen. Selbstbewusst und geschaeftstuechtig managt Jenny alles: den Preis (10 Euro), unseren Transport im Auto des Bruders, die Info des Vaters zu Hause… Fuer unser Empfinden kreuz und quer chauffiert er uns durch Sarajevo und schliesslich werden wir bei unserer Ankunft herzlich vom Hausherrn Mik begruesst. Schuhe aus und rein ins grosse und schon recht alte Haus, die steile Holztreppe hoch, Zimmer anschauen. Die Moebel sind an die Waende geschoben, eine Gebetsschnur haengt am Fenstergriff, der Koran liegt auf einem Tischchen.
Spaeter sitzen wir in der guten Stube zusammen und erhalten neben einem erfrischenden Orangenjus auch die ersten Tipps, geben Auskunft ueber die bisherige Reiseroute und ernten verwunderte Blicke, als wir unser naechstes Ziel, Kosovo, bekannt geben.
Der Hausherr ist sehr interessiert. Bedaechtig erzaehlt er auf Englisch, fehlt ein Wort, fragt er seinen Sohn. Natuerlich kommen wir auch auf den Krieg zu sprechen und erfahren, dass auch er im Einsatz war. Ueber die anderen Nationen aeussert er sich zurueckhaltend. Selber wurde er zweimal angeschossen und ist nun in Pension, abeitet jedoch an verschiedenen Umweltschutz-Projekten mit. Mit dem Vermieten der Zimmer verdient sich die Familie wohl etwas dazu, um die Studien der allem Anschein nach sehr intelligenten Kinder zu finanzieren.
Auf dem Weg auf Futtersuche kommen wir an einem riesengrossen muslimischen Friedhof vorbei, hunderte von weissen Grabsteinen.

Muslimischer Friedhof in Sarajewo

Beim bosnischen Kaffee (wie tuerkischer Kaffee) am naechsten Morgen nimmt sich Mik wieder Zeit fuer uns und erklaert uns u.a. haargenau, wie wir zum Tourist-Office gelangen. Und wenn ich haargenau schreibe, dann bedeutet das, mit allen Details und mehrmals. Wirklich ein sehr netter und fuersorglicher Gastgeber.

Wir buchen die Tunneltour. Sarajevo ist die am laengsten belagerte Stadt der Geschichte. Um Menschen und Gueter in die Stadt und hinaus zu schaffen, baute man einen 800 m langen Tunnel.

Im Tunnel...

Mit dem Bus werden wir zum Eingang gefuhert. Dort angekommen zeigt uns unser Guide, welcher zur Zeit des Krieges 10-jaehrig war, auf der Karte der olympischen Winterspiele 1984, wo nur einige Jahre später die Belagerungsgrenzen der Serben durchgingen. Wir sehen einen Film. Wir erfahren, dass die Kinder waehrend des ganzen Krieges unterrichtet wurden, die Lehrpersonen gingen zu ihnen in die Bunker. Beim Versuch, etwas Freiheit zu geniessen, wurde der Guide von einer Bombe am Bein verletzt. Wir hoeren von der Not und der zweifalhaften Rolle der UN-Truppen, dem schlechten Essen, dass 1 l Milch 12 Euro gekostet hat. Grausam, was die Leute durchmachen mussten. Die Serben haben ein Spital bombardiert, wobei 14 Babies starben. Oder es gab die Sniper-Alley, wo die erste Person von den serbischen Scharfschuetzen gezielt nur verletzt wurde, um nachher die zu Hilfe kommenden Leute zu erschiessen. Im Gesamten kamen waehrend des Krieges in allein Sarajewo 11000 Menschen um, 1601 davon Kinder. Dass hier noch viel Hass auf die Serben ist, kann ich gut verstehen.

Liste der Opfer in Sarajewo
Zwar erinnere ich mich an die Berichterstattungen in der Tagesschau aus Sarajevo zur Zeit des Krieges. Aber nun selber in dieser Stadt zu sein und die Erzaehlungen aus dem Mund von einem jungen Mann zu hoeren, ist etwas anderes. Wir sind beeindruckt vom grossen Widerstandswillen der Menschen in Sarajevo.
Diese Seite von Sarajevo ist unglaublich traurig. Und es ist nicht 60 Jahre her, sondern 15.

Sarajevo bleibt uns aber auch in Erinnerung als eine lebhafte Stadt der Gegensaetze: Christen (kath. und serb. orthodoxe), Muslime (die meisten ohne verschleierte Frauen), Juden leben da, Arme und Reiche, moderne Gebaeude und schoen in einer Reihe solche aus der Zeit der Tuerken, der Oesterreicher-Ungraren (Franz Ferdinand) und des Kommunismus. Strassencafés, Shopping, Paerke. Diese Stadt ist im Aufbruch – in eine hoffentlich friedliche Zukunft!

Fussgängerzone in Sarajevo

Mit dem Nachtbus geht es in der Nacht auf Samstag weiter, via Novi Pazar (Serbien) in den Kosovo, nach Pristina.

Die Strecke Zagreb-Split legten wir mit einem Bahnersatz-Bus zurück (Zugunglück am Freitag). Dabei wurde uns auch gleich ein Nachteil gegenüber der Bahn vor Augen geführt: Schon bald steckten wir nämlich im grossen Ferien-Stau! Unser Fahrer und die Kondikteurin bemuehten sich aber, den Car mit der Priorität eines Zuges auf Pannenstreifen und im Zick-zack durch die Blechlawine zu drängeln… Sehr wahrscheinlich aufgrund des Staus fuhren wir einen grossen Teil auf „normalen“ Strassen, wo wir die ersten Spuren des Krieges antrafen: Haeuser mit Einschussloechern und ganze Landstriche, welche vermient und somit unzugaenglich sind.
In Split wurden wir aufgrund der Verspaetung bereits sehnlichst von unserer Zimmer-Vermieterin erwartet, die uns ein winziges “Apartementchen” in der Altstadt organisiert hatte.
Die Hitze machte uns so schlaefig, dass wir in einem Park ein Nickerchen machten und uns anschiessend im Schatten von alten Baeumen ein, zwei kuehle Bierchen goennten.

Am Hafen in Split

(Aufs Bild klicken fuer noch mehr Fotos…)

Das besondere an Split ist der Diokletian-Palast, eigentlich eine gigantische Ruine aus der Zeit, als die Römer Dalmatien beherrschten, gleichzeitig aber auch einfach das Herz der Altstadt. Die Menschen leben also in dieser ehemaligen Tempelanlage, es gibt Wohnungen, Geschäfte, Restaurants und dazwischen wieder Ausgrabungen und überhaupt eine bunte Mischung aus alt, neu und uralt. In Split konnten wir dann auch zum ersten Mal im Meer schwimmen, allerdings an einem ziemlich unspektakulären Stadtstrand – da hatte uns der Reiseführer von der Dalmatischen Küste schon etwas mehr versprochen!

Aus diesem Grund fuhren wir am Sonntag mit einem Katamaran nach Hvar. Das Städtchen auf der gleichnamigen Insel gilt als touristisches Zentrum im Süden Kroatiens. Mit einem etwas kryptischen Kroki und den schweren Rucksäcken machten wir uns bei grosser Hitze auf die Suche nach der Zimmervermieterin Zlata, welche uns in Split empfohlen worden war, und kamen schliesslich mit der freundlichen Hilfe einer Supermarktangestellten bei einem rührenden älteren Ehepaar unter. Zlata und Dinko vermieten bereits seit vierzig Jahren ihr halbes Haus an Touristen und sprechen gut Deutsch. Nach dem winzigen Apartement in Split waren wir (vorallem Yvonne) happy mit dem grossen Zimmer, Bad und Balkon mit Meersicht!

Hvar hat wirklich alles zu bieten, was das Touristenherz begehrt: Discos, Restaurants, Souvenirstände, Ausflugsboote, ein Hafen mit teuren Yachten und natürlich wunderbare Strände, Palmen und glasklares Wasser. Irgendwie als wäre man in Italien (es kommen auch sehr viele Italiener hierher), nur wesentlich sauberer…
Am Dienstag fuhren wir zur Insel Vis. Wir haben ein Deutsch-Kroatisches Paar kennen gelernt und ein interessantes Gespraech gefuehrt. Unsere Vermutung, dass die Leute nicht in die Nachbarlaender reisen, hat sich dabei bestaetigt.
Vis ist uebrigens bis Ende der Achtziger Jahre von der Jugoslawischen Armee als Stützpunkt genutzt worden und deshalb für Gäste nicht zugänglich gewesen. Das hat sich natürlich positiv auf die Natur und die Ursprünglichkeit der Insel ausgewirkt. Wir besuchten mit dem Schiff zwei herrliche Felsgrotten, wobei man in der einen auch schwimmen und tauchen konnte, während die andere aus Naturschutzgründen nur besichtigt werden darf – irgendwie beruhigend, dass sich die Kroaten offenbar auch um den Erhalt ihrer Naturschätze kümmern.
Überhaupt sind wir von Kroatien sehr positiv beeindruckt; alles funktioniert bestens und die Menschen sind freundlich, fast jeder spricht mindestens eine Fremdsprache (sicher auch eine Folge des Tourismus, der sich offenbar wieder vom Krieg erholt hat) es wird gebaut, was das Zeug haelt, die Strassen sind in sehr gutem Zustand und vieles ist mit liebevollen Details wie Blumen u.a. versehen. Jedenfalls ist es rätselhaft, wieso ein solch modernes Land noch auf einen EU-Beitritt warten muss, während gewisse andere osteuropäische Staaten bereits dabei sind…

Nach diesen erholsamen Tagen am Strand und im Meer sind wir jetzt unterwegs nach Bosnien-Herzegowina, bis heute Abend wollen wir in Mostar sein!

HEISS!

Nachdem wir gestern Morgen mit dem Nachtzug aus Zuerich angekommen sind, sind wir nun bei groesster Hitze einen Tag lang durch Zagreb geschlichen. Die kroatische Hauptstadt ist ueberraschend ruhig und mit vielen Gruenanlagen versehen, welche uns jeweils wieder etwas abkuehlen lassen. In den schattigen Parks stehen meist pittoreske Kirchen, die Strassen werden von imposanten Gebaeuden gesaemt, welche wohl noch unter den Oesterreichern entstanden sind.

Heute geht es weiter nach Split – zum Glueck erst heute, denn gestern entgleiste offenbar ein Zug auf dieser Strecke! Wir sind aber wohlauf und werden nun mal schauen, wie die Weiterreise verlaueft; offenbar gibt es Bahnersatzbusse fuer die Ungluecksstrecke. Um elf Uhr geht es los, gegen halb fuenf sollten wir dann in Split, der zweitgroessten Stadt Kroatiens sein.

Als wir am Abend nach dem Ueberflug zur Busstation kamen, erschraken wir erst mal zuenftig: das Buero-Haeuschen war verriegelt und vergittert! Wir fuerchteten bereits, zu spaet zu sein und den Bus verpasst zu haben, doch es stellte sich heraus, dass die Station aus Sicherheitsgruenden zugesperrt war – der Ticketverkauefer liess uns durch ein kleines Loch im grossen Blechtor in den kleinen Raum, wo wir dann mit den anderen Fahrgaesten bis zur Abfahrt Tier-Dokumentarfilme im Fernsehen schauen durften…Als wir dann frueh am anderen Morgen in der Andenstadt Arequipa ankame, waren wir trotz der “Liegesitze” im Bus noch muede, die Fahrt ueber die holprigen Strassen und um die unzaehligen Kurven hatte uns ordentlich durchgeschuettelt und so zog es uns erst mal ins Hotel und wir schliefen noch mals ein paar Stunden. Da Sonntag war und deshalb sowieso die halbe Stadt wie ausgestorben, verpassten wir wohl nicht all zu viel…

Fuer den Dienstag hatten wir bei einer Agentur eine Fuehrerin und einen Fahrer gebucht, um etwas aufs Land zu kommen und einen Eindruck vom Leben in den Anden abseits der Staedte zu bekommen. Erst mal lernten wir aber einiges ueber das Telefonieren in Peru: die Dame von der Agentur wollte keinesfalls mit ihrem Festnetztelefon jemanden anrufen, dies sei zu teuer und der Apparat nur zum entgegennehmen von Anrufen – um selbst jemanden anzurufen geht man ins Telefonbuero ueber die Strasse… Und als dann der Fahrer am Morgen die Fuehrerin suchte, hielt er an einer Strassenecke und winkte eine der vielen Frauen mit leuchtgelbem Gilet zu sich heran, welche ihm dann ihr Handy zur Verfuegung stellte!

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Eine erste Botschaft aus Suedamerika – mit viel Text, Fotos folgen so bald ich mich getraue, die Kamera auf der Strasse herumzutragen 😉

Yvonnes berichte von ihrer Ecuador-Reise findet man nach wie vor unter http://yvi-unterwegs.blogspot.com/

Nach einigermassen qualvollen 11 Stunden im randvollen Flieger von
Madrid nach Lima wartete ich erst mal fast eine Stunde auf das Gepaeck
– zusammen mit den anderen gut 300 Passagieren; nur ab und zu zerrte
jemand einen in Plastikfolie eingeschweissten Koffer vom Band und brach
erleichtert auf, meistens schienen die selben Gepaeckstuecke durch die
Menge zu rotieren… Als dann auch noch der Zoll hinter mir lag konnte
ich endlich Yvonne in die Arme schliessen. Zusammen mit einem
Taxifahrer hatte sie stundenlang auf mich gewartet. Obwohl erst etwa
sieben Uhr war es bereits dunkel und wir fuhren auf direktem Weg ins
Hotel in Miraflores – einem Wohnquartier der Oberschicht und dadurch
auch fuer uns einigermassen sicher, so dass wir uns spaeter auch noch
mal auf die Strasse wagten, um Essen zu kaufen.

Am anderen Morgen erwartete uns die Peruanische Hauptstadt mit einem trueb-grauen Himmel (dies sollte auch so bleiben – ist wohl das ganze Jahr ueber so) und dem aus anderen Grossstaedten bekannten Abgasgeruch. Fuer einmal entschieden wir uns fuer den “Weg des geringsten Widerstandes” und buchten bei einem Reisebuero eine Stadtrundfahrt mit Fuehrer. Zusammen mit Mexikaneren, Indern, Japaneren und natuerlich etlichen US-Amerikanern (die Gringos sind hier ueberall) wurden wir also durch das Stadtzentrum gekarrt und konnten uns das Treiben auf der Strasse durch die Fenster des klimatisierten Cars anschauen. Eine etwas befremdende Erfahrung, allerdings auch lohnenswert dank der interessanten und witzigen Kommentare des “Reiseleiters” in spanisch und englisch. Schliesslich wurden wir dann doch noch in die freie Wildbahn entlassen und folgten einem gelben Faehnchen durch das “xxxx”, auf die “Plaza des Armas” und durch die Katakomben des “yyy”. Continue reading ‘Von Lima nach Nazca’ »